Vom Ende her denken

Es gehört zu unseren kognitiven Fähigkeiten, Dinge zu Ende zu denken. Konsequenzen von Handlungen vorher zu sehen, ggf. Plan B und C in der Tasche zu haben. Die USA handeln derzeit wie ein wütendes Kind, das sich an der Kasse im Supermarkt auf den Boden wirft und schreit, weil es den Lutscher nicht bekommen kann. Der Zusammenbruch der internationalen Ordnung aus Handelsabkommen, internationalen Organisationen und Vereinbarungen wird in nicht nur in Kauf genommen, sondern systematisch betrieben – ausgerechnet von der Macht, die das System aufgebaut, gefördert und zum globalen Einfluss betrieben hat.

Für die ganz Armen und Schwachen war zum Beispiel USAID (United States Agency for International Development) da. Sie ist die bilateral operierende Agentur für Entwicklungshilfe, wie unsere DEG (Deutsche Entwicklungsgesellschaft). 40 Milliarden US-Dollar jährlich für die Bekämpfung von Armut und Not, von Krankheiten und Bildungsnotstand, für den Schutz von Kindern und Frauenrechten weltweit gibt es im US-Haushalt (so viel wie Musk für Twitter bezahlt hat).

Mit einem Federstrich ist die Organisation ausgelöscht, alle Projekte gestoppt – über Nacht. Impfungen, Kondome, Milchpulver oder Mais – aus. Die Jobs von lokalen Projektarbeitern vom Hindukusch bis zum Golf von Guinea – weg. Hilfe nur noch, wenn sie die USA wohlhabender macht (wörtlich: more prosperity for the American people!), strategisches Denken ist abgeschaltet, oder war es beim allgemeinen Bildungslevel der USA schon immer. Das zu Ende denken – nur für die irren (lunatic) Wokes. Weltweite Flüchtlingsströme werden sich verstärken, der Klimawandel ist nicht einmal mitgedacht.

Das alles spielt sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung ab, es stehen keine Kamerateams in den Impfzentren im Kongo oder in den Flüchtlingslagern in Bangladesch. Was nicht bei TikTok erscheint, findet nicht statt. Schon gut so, denkt man in Washington.

Der Zusammenbruch von Empathie und Solidarität im cut throat-Kapitalismus der USA – und sei es nur, um Soft Power zu demonstrieren – hat die globalen Konsequenzen, die von Beobachtern schon lange voraus gesagt worden waren. Das Land der Freien zeigt, wie dünn die kulturelle Decke von humanitären Werten ist. Nackte Macht, jetzt schon mal gegenüber den Schwächsten, ist der Maßstab. Auch bei uns wird das populär und spätestens bei Neuwahlen 2026 haben wir eine Regierung, die Entwicklungshilfe streicht und mehr Geld für Stacheldraht im Haushalt bereit hält wie für Schulprojekte im Sahel.


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2 Gedanken zu “Vom Ende her denken

  1. Ja, die verhalten sich so, als wäre das eine Mitgliedschaft im Automobil-oder Fitness-Club … oder ein Netflix-Abo. Gruselig und nicht zu Ende gedacht, nicht weil sie doof sind, sondern nicht wollen und irgendein anderer die Scherben auffegen muss

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