„Postcards from L.A.“

Das Radio spielte zufällig den 30 Jahre alten Song von Joshua Kadison, als ich gestern Morgen den Computer einschaltete und die Bilder aus Los Angeles auf dem Bildschirm auftauchten. Sie geben wohl nur einen Teil der katastrophalen Ausmaße der Feuersbrunst wieder: Bis jetzt sind schätzungsweise 12.000 „structures“ vom Feuer zerstört. Die Nachrichtenagentur A.P. berichtet aber, dass dazu auch Autos oder Garagen und Pool Houses gehörten. Selbst in der Katastrophe bleibt Los Angeles sich treu, es müssen Superlative sein.

Betroffen sind übrigens die besonders attraktiven und teuren Wohngebiete am Waldrand und an den Berghängen rund um die Millionenmetropole. Beverly Hills und West Hollywood sind bislang verschont worden. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Studios Kamerateams durch die Brandzone schicken: kostengünstige footage für einen Katastrophenfilm, in den man dann Brad Pitt oder Ryan Gosling als Helden reinkopieren könnte.

Bei all dem Fokus auf die Celebrity Culture in LA hat man übersehen, dass Löschwasser-Hydranten nicht funktionierten oder dass die sogenannten Santa Anna Winde unterwegs sind, starke, trockene Fallwinde aus den Wüsten Nevadas. Letztere sind ein bekanntes und gut erforschtes Phänomen, no surprises there.

Die Feuerwehren sind bei drei oder vier Bränden gleichzeitg überfordert. Da ist die Hilfe von Freiwilligen willkommen: Rund 1000 Gefängnisinsassen wurden rekrutiert, um die Feuer zu bekämpfen.

Hundreds of California prison inmates fight wildfires – and stigma. BBC.com, 11.1.2025

Es sind aber nur Minimum-Security Insassen, Gewalttäter sind nicht willkommen. Beruhigend. Es ist vor allem ein Kostenfaktor, berichtet die BBC. Berufsfeuerwehrleute verdienten jenseits von 100.000 US$ jährlich, die Freiwillligen aus den Gefängnissen zwischen 6 und 10 Dollar täglich, zusätzlich 1 US$ Gefahrenzulage, so die Webseite des britischen Fernsehens. Wir hatten bei Straßenbauarbeiten in Florida schon vor einigen Jahr(zehnt)en Schilder gesehen „Chained gangs at work“ und glaubten unseren Augen nicht zu trauen.

Ich hätte da noch eine Idee: In der Nähe von Palm Beach hängt ein Quatschkopf faul herum, als Straftäter verurteilt, mit minimum security-Status. Man sollte ihn fragen, besser: beordern!


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5 Gedanken zu “„Postcards from L.A.“

  1. Ja, das sieht schon übel aus. Wenn nur noch Kamine stehen und die Stelzen der Carports, kann man gelegentlich aber auch mal wieder fragen, wie es denn so um die Leichtau-Bauweise bestellt ist. Also da sah ja Berlin nach dem Krieg noch intakter aus …

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  2. Mein Mitleid mit Celebrities, die traurig verkünden, dass sie nur mit Mühe ihre Lieblings- Bartagame retten lassen konnten, hält sich in Grenzen. Aber für viele andere Menschen ohne Vermögen und die Natur ist das eine Katastrophe. Mit Ansage.

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    1. Stimme zu.. Vielen wurde zudem die Versicherung gekündigt. Die Abzocker kannten das Risiko. Meine Hausversicherung hat sich um 20 % erhöht, Solidarität mit Schäden anderswo 🥲

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