Kampung Morten – Dorf in der Stadt

Wann ist schon einmal eine Dorfsiedlung nach einem britischen Kolonialbeamten benannt? Und wo findet man ein traditionelles Dorf mitten in der Stadt? Wer keine Zeit für Dorfbesuche auf dem flachen Land Malaysias hat, der sollte Kampung Morten in Malacca besuchen. Wir haben gestern Vormittag einen Rundgang durchs Dorf gemacht.

Die Siedlung von etwa 100 Häusern im traditionellen malayischen Stil liegt am Melaka River. In den 1920er Jahren wurde sie auf einem Stück Land in einem Flussbogen vom britischen Grundstücksverwalter (Land Commissioner) J.F. Morten angelegt. Damals war das noch am Rand der Stadt, heute umgeben die Türme der Hotels und Apartmentblocks das Dorf wie eine drohende Kulisse.

Dieses Haus ist ein Museum, seine Öffnungszeiten leider nicht ersichtlich!

Die Häuser mit Spitzdächern stehen auf Stelzen, unter denen einst das Vieh gehalten wurde. Die Treppenaufgänge sind das Prestige der Eigner.

Das Vieh ist verschwunden, aber ein Einkaufswagen lässt sich auch unterstellen!

Die Moschee mit einer zentralen Pagode und einem Stahlgerüst als Minarett mag der kulturelle Mittelpunkt sein, aber auch sie wird erdrückt von Betontürmen ringsherum.

Kampung Morten gehört zum kulturellen Erbe Malaysias und ist damit vor Landnahmen von Immobilienhaien geschützt. Aber nur noch ein Bruchteil der Häuser ist gepflegt, immerhin besonders die, die mit Homestay beschildert sind.

Kampong Morten von oben

Die Kulisse der Hochhäuser auf allen Seiten wirkt wie ein Sinnbild für das sich schnell wandelnde Malaysia. Das Leben in den Kampungs ist am Aussterben.

Als wir zum Auto zurück kommen, baute ein alter Mann seinen Verkaufsstand auf: „Sauer eingelegte Früchte“ steht auf dem Schild vor den Gläsern, Layan Diri – Selbstbedienung! So viel Vertrauen in die Kundschaft gibt es eben nur auf dem Dorf.


Entdecke mehr von Full Circle

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.