Ich hatte mein digitales Abo der Washington Post schon vor ein paar Monaten gekündigt. (Das Bild oben ist von der K.I. erzeugt und nicht das reale Verlagsgebäude.) Die inhaltlichen Schwerpunkte der einst renommierten Tageszeitung gefielen mir nicht mehr – und da ich ein Abo der New York Times habe muss ich mir den US-Politsumpf nicht zweimal reinziehen.
Aber es erregt schon Schlagzeilen, wenn der Eigner einer Zeitung ziemlich unverblümt Anweisungen an die Redaktion gibt, keine „Empfehlung“ (endorsement) zur Präsidentschaftswahl zu geben. In den USA ist eine solche Wahlempfehlung üblich. Bei uns wären „Vorgaben“ des Verlagseigners an die Redaktion ein Eingriff in das Presserecht, das dem verantwortlichen Redakteur große Autonomie einräumt, ihn aber gleichzeitig „verantwortlich“, d.h. auch gerichtlich haftbar macht, z.B. bei Verletzungen des Urheberrechts oder beim Persönlichkeitsschutz. Im Übrigen kann ich mir gar nicht vorstellen, dass – sagen wir die Süddeutsche, Spiegel oder TAZ – in großen Lettern eine Empfehlung für eine Bundestagspartei ausgeben. Wir kennen ungefähr deren grundsätzliche politische Ausrichtung, das reicht zur Einschätzung.

Nun sind wir aber in den USA, wo News immer auch Business sind. Im derzeitigen Wahlkampf haben die beiden Parteien insgesamt wohl eine halbe Milliarde Dollar ausgegeben, die sind bei Irgendjemand – Zeitung, Fernsehen, Medien-Kanäle – auf der Habenseite verbucht. Eigentlich wäre es konsequent, wenn der Eigner der Washington Post behauptet, er wolle neutral bleiben. Nur so kurz vor der Wahl hat das ein Geschmäckle. Seine Weltraumfirma ist auch von staatlichen Aufträgen abhängig, da will man alle Eisen im Feuer halten.
Ich bin froh, 25 Jahre als verantwortlicher Redakteur nie einen Einfluss des Verlagseigners erfahren zu haben. Gegenüber den US-Kollegen komme ich mir da privilegiert vor. Jeff, bleib bei deinem Online-Lieferdienst. Und hätte ich einen Tesla, der wäre schon vor Wochen verkauft.
Entdecke mehr von Full Circle
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Habe gestern die Doku auf ARD mit Ingo Zamperoni gesehen, wie die Amerikaner aktuell so ticken im Wahlkampf und wie dort Stimmung gemacht wird. Gruselig
LikeGefällt 1 Person
… Passt zu Haloween. Bestes Horrorkostüm: orange-gelbe Perücke, rote Krawatte bis zum Schuh und ein Grinsen aus der Unterwelt.
LikeLike