Subjektiv und objektiv

https://www.ufz.de/index.php?de=51618

Für mich war es ein typischer Sommer: nass genug, um alles Grün zu halten, richtig heiß – sagen wir 32 Grad – nur an wenigen Tagen. Mein Haus ist gut isoliert, so dass es Innen kühl blieb. Warm und kalt wechselnden sich zudem ab . 2003 oder 2018 waren viel unangenehmer. Also wo ist das Problem? So weit zum „subjektiv“!

Heißester Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. tagesschau.de, 6.9.2024

Jetzt zu „objektiv“: „Die Sommermonate Juni, Juli und August waren im globalen Durchschnitt so warm wie nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Dies teilte der EU-Klimadienst Copernicus in Bonn mit. Demnach lag die Durchschnittstemperatur für die drei Monate 0,69 Grad Celsius über dem entsprechenden Vergleichswert für die Jahre 1991 bis 2020. … . (Schon) Der Juni 2024 war laut den Copernicus-Fachleuten mit einer Oberflächentemperatur von 16,66 Grad Celsius so heiß wie nie zuvor“ heißt es bei Tagesschau.de

Stimmt nicht, sagt der Populist, bei mir wars anders. Das Problem einer anderen subjektiven Wahrnehmung liegt auch in zugespitzten und unpräzisen Formulierungen bei den Kollegen der Tagesschau-Webseite. „Sommer“ ist es im Juni/Juli/August nur in den „gemäßigten“ Breiten der Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel ist hingegen „Winter“, was immer das in Argentinien, Südafrika oder Australien bedeutet.

Richtiger muss es schlicht heißen: Die Monate Juni, Juli und August waren im globalen Mittel so warm wie nie zuvor. Dieses Mittel schließt die Kälte an den Polen und auf der Südhalbkugel mit ein. Die globale Durchschnittstemperatur ist die Bezugsgröße für das Ziel, die Erderwärmung auf max. 1,5 Grad über dem Mittel aus der Zeit seit dem Beginn der Industrialisierung zu begrenzen.

Es geht um eine für das subjektive Befinden sehr abstrakte Größe: Die globale Durchschnittstemperatur (im Englischen GST, Global Surface Temperature) wird von Satelliten auf der Land- und Meeresoberfläche gemessen. Der Klimadienst der EU Copernicus hat dazu eigene Satelliten im All. Diese Messungen sind nicht nur objektiver und zuverlässiger, als abgelesene Thermometer, sie decken auch den gesamten Globus ab.

Webseite von Copernicus „Europe’s Eyes on Earth“: copernicus.eu

Das Bild oben zeigt für den Monat August 2024 die Temperatur-Anomalien als Abweichung vom Durchschnitt der Jahre 1991-2020. Die Skala von Rot und Blau reicht von >5° C bis <5° C. Besonders auffällig (und erschreckend) sind die roten Flächen mit positiven Temperatur-Anomalien um den nördlichen Polarkreis (Spitzbergen; Nordsibirien und der Norden Kanadas). Die Anomalien im Bereich der Sahara hingegen sind negativ – was natürlich nicht heißt, dass es in der Sahara kälter war als am Polarkreis! Das von Copernicus erstellte globale Bild für den August demonstriert aber, wie komplett die Erdoberfläche samt der der Meere von Satelliten erfasst werden kann.

Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt von Svalbard/Spitzbergen im Sommer 2024 und wurde von der Copernicus-Webseite herunter geladen. Quelle Copernicus Sentinel-2 Satellit vom 28.8.2024

Noch eindrucksvoller ist die Zeitreihe der globalen Anomalien für den Monat August seit 1980:

Quelle: https://climate.copernicus.eu/surface-air-temperature-august-2024

Das sind objektive Fakten. Sie geben allen Grund, dass man schlaflose Nächte haben mag.

Wo stehen bei solchen Daten die Leugner des Klimawandels? Klugerweise leugnen sie die globale Erwärmung als solches nicht, sondern deren Ursachen. CO2-Emissionen als Ursache werden angezweifelt und darauf verwiesen, die Erde habe immer Warm- und Kaltzeiten erlebt. Die Paläoklimaforschung hat aber erwiesen, dass die heutigen Temperaturen über die letzten hunderttausend Jahren noch nie so hoch waren. Und noch nie verzeichnete der Planet über 8 Milliarden Bewohner, die davon betroffen sind. Da reicht der Verweis auf „Anpassungsmaßnahmen“ nicht. Ohne Rückgang der Emissionen von Kohlendioxid und anderen sogenannten Treibhaus-Gasen (darunter Methan) werden wir bald gekocht – da hilft mein subjektives Wohlbefinden nicht mehr.


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2 Gedanken zu “Subjektiv und objektiv

    1. Stimme Dir zu: Besorgnis ist mehr als angebracht. Wir sind angesichts von globalem Extremwetter schon mittendrin. Was sich an Hitzewellen, Wirbelstürmen und an ungeheuren Niederschlägen abspielt zeigt, der Globus und seine Atmosphäre reagieren längst.

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