Treffen sich zwei Dinos

Zwei Tyrannosaurus Rex begegnen sich in Kamerun, sagen wir bei Douala. „Hier gibts nichts mehr zu jagen“ klagt der eine. „Ich komme gerade aus Natal“ entgegnet der andere (das liegt in Brasilien) „und da fand ich frisches Fressen!“ „Super“ sagt der erste und rennt los. Von Douala nach Natal ist es gar nicht weit, für einen Riesen wie den Tyrannosaurus nur ein paar Wochen schnellen Gehens. Die Spuren der beiden wurden jetzt gefunden – auf zwei Kontinenten, die der Atlantik inzwischen getrennt hat.

Das ist eine konstruierte Story aus dem Jahr 87.866.364 v. Chr. und Dinos können nicht reden (das Foto vom Treffen hat die WordPress K.I. beigesteuert). Aber wie die israelische Zeitschrift Haaretz berichtet, hat man 100 Millionen Jahre alte identische Spuren zweier Dinos in Brasilien und in Kamerun gefunden. Das belegt erneut die 1912 noch verrückte Idee eines Deutschen, Alfred Wegener, der im Jahr, als die Titanic sank, die Theorie der Plattentektonik entwickelte.

Matching Dinosuarus tracks found in Africa and Brazil. Haaretz (Jerusalem), 26.8.2024

Das ist gerade Mal etwas mehr als ein Jahrhundert her? mag man sich fragen. Ja, was heute als Standardwissen 5. Klasse Erdkunde gilt, war kurz vorm Ersten Weltkrieg noch eine ziemliche Sensation (und für die „Kreationisten“ in den USA immer noch völlig unglaubwürdig).

Kreationismus in den USA, 1982-2019. Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, fowid.de 31.7.2019

In unserer Welt zählt der Tag: Wie z.B. ist heute das Wetter in Südamerika, Afrika oder Australien? (Ich empfehle den stündlichen Weltwetterbericht der BBC World vor den Nachrichten zur vollen Stunde!). Da liegen die Kontinente für immer fest, schön rechts und links des Null-Meridians – „wir“ also mittendrin. War das jemals anders? Ja.

Zehn Tage sind eine Ewigkeit bei TikTok und in den Abendnachrichten. 100 Jahre zurück schon „Urgeschichte“ der Instagram-Generation, 100 Millionen Jahre jenseits des Vorstellungsvermögens. Daher ist es noch schwerer sich vor Augen zuführen, dass es einst auf dem Globus nur Wasser und einen einzigen Superkontinent gab: Pangäa. Der zerbrach in Laurasia und Gondwana, aus denen unsere heutige Konfiguration entstand. Und wie uns Erdbeben, Vulkane und der Himalaya zeigen, ist das nicht das Ende!

Poesie der Geologie. Reiners.blog, 11.5.2020

Geologisch sind die schwimmenden und kollidierenden Platten an allen Ecken und Enden nachzuweisen. Prägend für unsere Region – Rheinisches Schiefergebirge, Odenwald oder Harz und Erzgebirge – ist die Variszische Faltung vor 390 bis 310 Millionen Jahren. Man kann bei der nächsten Wanderung im Rothaargebirge ehrfürchtig werden, denn der Kahle Asten mag mal 6.000 Meter hochgewesen sein. Im Harzvorland stehen Bodenschichten zutage, die zur Kreidezeit vor 80 Millionen Jahren entstanden sind.

Als unsere beiden Dinos sich trafen, war die Trennung von Afrika und Südamerika schon weit fortgeschritten, und Indien hatte sich vom südlichen Afrika in Richtung Eurasien aufgemacht. Was die Tyrannosaurus nicht wussten: Gut 35 Millionen Jahre später war es sowieso vorbei mit dem Jagen oder Grasen, auf allen Kontinenten. Ein Meteoreinschlag beendete vor 65 Millionen Jahren die Ära der Riesen und gab Säugetieren die Chance zur Evolution. Die Dinos aber haben auch evolutionäre Nachfolger – die nervigen Spatzen auf unserem Vordach.


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