Unser Urlaub wird zum Politikum. Und ich meine nicht Flugscham oder Jedermanns Beitrag zum Overtourism. Es geht um Politik im Gastland: Belohnen wir mit unserer Reise autokratische Regierungen? Ist es ein Gewinn, in Länder mit ungelösten ökologischen oder sozio-ökonomischen Problemen zu reisen? Sollte man Destinationen meiden, die Frauen diskriminieren? Funktioniert in meinem Zielland die Demokratie?


Nehmen wir Thailand. Kein mir bekannter Thailand-Reisender stellt sich diese Fragen – ich auch nicht. Ist es nicht das Land des Lächelns, der Buddha-Tempel und -Statuen auf jedem Hügel? Das Land der Traumstrände und exotischer Inseln? Das Land der Orchideen und Nightmarkets. Thailand und entspannter Urlaub sind quasi Synonyme. Man kann es dabei belassen, bleibt aber dann nur Besucher in einer Kulisse – als ob man sein Bett vor einer Poster-Tapete mit Palmen und Meer aufgestellt hätte.

Die jüngsten Schlagzeilen aus Thailand sind überaus deprimierend, weil sie das Gegenteil des ewigen Lächelns beleuchten: Die mit viel jugendlichem Optimismus in die Wahlen vom Mai 2023 gestartete Move Forward-Partei unter Pita Limjaroenrat (Wahlbeteiligung 75 %) wurde vom obersten Gericht des Königreiches verboten.
Court disolves Move Forward Party. Bangkok Post, 8.8.2024
Move Forward hatte die Wahlen mit 151 Sitzen und 40 % der Stimmen im Parlament gewonnen, brauchten aber einen Koalitionspartner, um die 251 Sitze für eine Mehrheit zu erreichen. Den fanden sie zwar, aber „komplizierte Regeln“ im politischen System Thailands verhinderten, dass Limjaroenat die Bildung einer Regierung unter seiner Führung gestattet wurde. Das Militär und der Status des Königs spielen dabei eine Rolle. Jede Änderung an diesem Status, ja sei es nur das Strafmaß für eine Äußerung zur Stellung der Monarchie, werden vom obersten Gericht geahndet. So wurde in dem jüngsten Urteil die Partei verboten, die Abgeordneten im Parlament können aber komplett zu einer Neugründung wechseln. Der Wahlgewinner, Pita Limjaroenat, und zehn weitere Führer der Partei wurden für zehn Jahre von politischen Aktivitäten ausgeschlossen.
2023 Thai General Elections bei Wikipedia
Ich erinnere mich an ein Gespräch im November 2022 mit einem jungen Grab-Fahrer auf der Fahrt von Bangkok nach Mae Klong. Der Familienvater und seine mitarbeitende Ehefrau waren hoffnungsvoll, dass die damals bevorstehenden Wahlen die Veränderungen brächten, die Thailand brauche. Das Land hatte unter dem Covid-Lockdown und dem Zusammenbruch des Tourismus extrem gelitten, die sozialen Gegensätze sich enorm verschärft.
Die Gastfreundlichkeit der Thais überdeckt die bittere Situation der Demokratie in ihrem Land. Gestern wurde auch der Premierminister, gestellt von der zweitstärksten Partei, vom obersten Gericht abgesetzt. Thailand ist derzeit ohne eine legitime Regierung. Wir Touristen können das ignorieren, aber sollten wir das?
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Danke, ich war im Overtourism gefangen, das ging an mir vorbei … werde ich mal beobachten
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