Wir lernen: Laut WHO werden weltweit 5,4 Millionen Menschen jährlich von Schlangen gebissen. 100.000 sterben daran. 70 % der Opfer sind aus Südasien, alleine in Indien sterben 58.000 Menschen jährlich an Schlangenbissen (von 1 Mio. Gebissenen; auf Indiens Straße gab es 2021 154.000 Todesopfer). In Nepal sind es jährlich 3.000 Menschen, von rund 40.000 Schlangenbissen. Der Beitrag von Aljazeera online enthält noch weitere Zahlen.

Are snakebites rising in South Asia — and what’s responsible? Aljazeera.com, 2.3.2024
Solche Zahlen überraschen selbst einen, der seit über 45 Jahren in Südasien unterwegs ist. Schlangen sieht man sehr selten: die Begegnung mit einer hochgiftigen indischen grünen Viper hatten wir in unserem Haus in den Bergen – am hellichten Vormittag (unser Koch fasste sich ein Herz). Und bei einer Reise kreuzte eine lange Schlange unseren Weg zum Dinner, verschwand aber schnell im Gebüsch (wenngleich der Schrecken blieb). In unserem Haus in Dhaka hatten wir einst einen Kindergeburtstag, ein Snake Charmer hatte es scheints geahnt und bat um Business. Mit gemischten Gefühlen ließen wir ihn im Garten gewähren: Die drei Kobras in seinem Korb wiegten folgsam den Kopf zu seinen Flötentönen. Das war vor knapp 40 Jahren, heute ist diese Praxis in allen Ländern Südasiens untersagt.

Dennoch nehmen Schlangenbisse zu. Die Gründe seien vielfältig, schreibt Aljazeera: Menschen siedeln oder arbeiten immer häufiger im Lebensraum von Schlangen. Sie sind zudem sekundärer Effekt von Naturkatastrophen wie die Überschwemmungen in Bangladesh und Pakisten. Schlangen und Menschen retten sich vor dem Wasser auf Dämme und Flussinseln, da wird es eng. In der Flut von 1988 zum Beispiel starb die Mehrzahl der 3.000 Opfer durch Schlangenbisse.


Im Land der heiligen Tiere sind auch Schlangen in die Verehrung einbezogen: In Tamil Nadu werden Kobras, die oft in Termitenhügel wohnen, von den Dörflern mit Opfergaben bedacht. Der Gott Vishnu wird von einer 7-köpfigen Schlange (Anantha) bewacht und die Hauptstadt des Bundesstaates Kerala heißt Thiruvananthapuram (früher Trivandrum) = heilige Stadt der Anantha. Mehr Ehre für Schlangen kann es nicht geben.
Und übrigens: ganz in unserer Nachbarschaft gibt es Europas größte Schlangenfarm https://schlangenfarm-schladen.de/. Auf dem Weg in den Harz lohnt sich ein Abstecher!
Entdecke mehr von Full Circle
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ich kann mich gut an die Schlangenbeschwörer erinnern, da habe ich viel viel Abstand gehalten. Bei dem Gedanken aber natürlich, dass sie auch bei Fluten und Hochwasser unterwegs sind, gruselt es mich schon sehr
LikeGefällt 1 Person
Einer Königskobra, die in einem Baum wartet, ich auch nicht. Da kann der Dschungel Trek zum Horror werden. Zum Glück sind die selten 😉
LikeLike