Heute Morgen spielte sich wieder einmal ein Schauspiel vor meinen Apartmentfenster ab, bei dem ich gern ein William Turner oder Caspar David Friedrich wäre. Aber mir fehlen Staffelei und Farbpalette mit Orange, Gelb und Gold. Die Venus blinkt um halb sieben noch als einsames Gestirn am Nachthimmel. „Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern“ fällt mir dazu ein. Das Lied wurde 1597 von einem Philipp Nicolai geschrieben und komponiert. Fast zur gleichen Zeit musste weiter südlich ein gewisser Galilei seine These, dass die Erde sich um die Sonne drehe, gegenüber einer ungläubigen Kirchenhierarchie verteidigen. „Und sie bewegt sich doch“, soll er trotzig gemurmelt haben, als er zu lebenslangem Hausarrest verurteilt wurde.
Wie sich die Erde bewegt, kann ich von meinem Fenster im 25. Stock und gut 100 Meter über der Meeresstraße von Malacca beobachten. Vom Nachthimmel zum hellen Tag passiert in weniger als einer Stunde! Meine Geoposition laut Google Earth ist 2°10′ Nord und 102°15′ Ost, nur rund 350 km nördlich des Äquators.

Hier dreht sich die Erde mit 1670 Stundenkilometer um ihre Achse, und ich dreh mich mit (Freunde in Berlin: bei Euch sind es nur noch gut 1000 km/h). Morgen um die gleiche Zeit habe ich rund 40.000 km im Kreis zurück gelegt.
Ich kann es aus meinem Fenster sehen: Scheinbar schnellt die Sonne über den Horizont. Dabei bin ich es, der sich bewegt – unser Heimatstern ist relativ fixiert! Die Fotos entstanden zwischen 6.45 Uhr und 7.30 Uhr.
Abends das gleiche Spiel: Die Fotos entstanden zwischen 19 Uhr und 19.45 Uhr, die letzten fünf Fotos in einer Viertelstunde.
Die Schnelligkeit der Morgen- und Abenddämmerung in den Inneren Tropen ist immer wieder überraschend. Hat man das Nasi Ayam-Gericht noch bei Helligkeit bestellt, ist es dunkle Nacht, wenn der Teller abgeräumt wird.
Der Tageslauf in den Tropen hat noch einen weiteren Vorteil: Mit nur geringen Schwankungen sind Tag und Nacht übers Jahr gleich lang. Zeitumstellungen zwecks Energiesparen nicht nötig, der Körper bleibt immer im gleichen Rhythmus. Kein Wunder, dass die Leute hier mehr relaxed sind als in unseren Breiten.
Dass die Erdrotation noch ein paar andere physikalische Effekte in der Erdatmosphäre hat (Jetstream, Passate, Drehrichtung von Wirbelstürmen), das ergäbe einen Terra X-Blog.
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Meine Mama hat früher mal gesagt, das wir bitte zu Hause sein mögen, wenn es dunkel wird … was für‘n Stress. War mir gar nicht so bewusst, dass das so flott geht.
Grüße aus BLR
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Das war weitsichtig, denn im Dunkeln fliegen die Kinder zum Mond oder Peter Pan holt sie ab. Gruß vom Gate in KL
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