Ostasien ist eine Region des Wohlstands: der phänomenale Aufstieg Japans nach dem Zweiten Weltkrieg, der von Südkorea und Taiwan in den 1980ern und jetzt als neue Wirtschaftssupermacht die Volksrepublik China. Aber die Wirtschaftsdynamik verdeckt eine extrem leidvolle Geschichte, bei der vor allem das kaiserliche Japan bis 1945 die Rolle des Imperialisten und Aggressors spielte. Korea, aber insbesondere China auf beiden Seiten der Taiwan-Straße waren die Opfer. Die Insel Taiwan war 50 Jahre lang (1895 bis 1945) von Japan besetzt.

Aus dieser Zeit stammen die Shinto-Schreine auf der Insel. Einer von ihnen liegt am Fuß des Hutoushan im Osten der Metropole Taoyuan. Er wurde 1938 in altem chinesischen Stil erbaut und vor der Zerstörung bewahrt. Heute nennt er sich Taoyuan Martyrs‘ Shrine und ist Ziel für viele Ausflügler der nahen Großstadt. Ein Uber-Taxi hat mich am Zugang zum Schrein abgesetzt, der nur einen Kilometer vom Zentrum der Stadt liegt. Der Besucher spaziert unter einem Baldachin von roten und weißen Lampions zum Torii an der großen Treppe.

Durch einen solchen Torbogen zu schreiten bedeute, die Sphäre ins Jenseits zu betreten, sagt ein Hinweisschild. Ein Bronze-Pferd und zwei Löwen bewachen den Zugang.




Doch ausgerechnet in diese Oase der Stille platzt ein Angestellter des Schreins samt Laubbläser, um auch das letzte Blättchen zwischen den Gehwegen zu verteilen. Er tut das mit dem üblichen Genuss und Langmut, den Männer zeigen, wenn sie ein lärmendes Gerät bedienen. Das zarte Klingeln der Windspiele in einem Seitengebäude ertrinkt im Motorenlärm.



Als er endlich weg ist, kehrt die Stille zurück. Besucher des Schreins haben überall gute Wünsche und Bitten für das neue Jahr an den Glaskugeln befestigt. Der Wind soll sie zu den Geistern und Gottheiten in jener anderen Welt tragen. Ich kann nur „2024“ auf den Täfelchen entziffern.
Am Rand der Terrasse gibt es einen Kiosk, der Kaffee und Tee anbietet. Ich bestelle im No Worries Cafe einen Cappuccino und setzte mich an einen Tisch unter den Bäumen. Jetzt zur Mittagszeit kommen Rentner zum Spaziergang in die Anlage, da bin ich nicht allein.


Taiwan taucht ab und an als Krisenszenario in unseren Schlagzeilen auf. Hier unter den alten Bäumen wirkt das absurd. Und dennoch, bei den Wahlen vor einigen Tagen richtete sich der Blick der politischen Weltöffentlichkeit für kurze Zeit auf die Hauptstadt Taipei. Die Plakate des Wahlgewinners William Lai hingen noch an den Fassaden in seiner Heimatregion Tainan.

Soweit ich das beobachten kann, wacht man in Taiwan nicht jeden Morgen mit dem Gedanken auf, ob heute die Armee vom Festland vor der Tür steht. Es gibt genug innenpolitische Themen. Ein Taxifahrer, den ich nach einem der Plakate befrage, gibt zu verstehen, er habe keine Ahnung. Ob aus mangelnden Englischkenntnissen oder Ignoranz gegenüber Politik, ist nicht zu erkennen.
Mit Highspeed ins Fort Zeelandia. Reiners.blog, 18.1.2024
Reisetagebuch zu Taiwan auf fullcircle712.com
Es ist schwer, Gesprächspartner zu finden, die genug Englisch können. Aber ich bin noch ein paar Tage in Taiwan und der Region Taipei. Für heute reicht der blaue Himmel und die sommerliche Januarsonne, um optimistisch in die Zukunft zu sehen. Die Chinesinnen und Chinesen auf beiden Seiten der Taiwan-Straße werden das schon hinkriegen, wenn man sie nur lässt.

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Ach nee, bitte nicht. Sind die auch schon auf dem Laubbläser-Level angekommen? Furchtbar. Hier in Bengaluru wird noch ordentlich mit der Hand gefegt, mit Grassbüscheln, die sich nur gebückt vernünftig führen lassen, deshalb machen es ja auch häufige ältere Frauen. Weißt schon 😉
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