
Vom Dach des Humboldt Forums fällt der Blick auf die Kuppel der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße. Ihr Glanz in der Oktobersonne trotzt den entsetzlichen Bildern aus Nahost. Im Stockwerk unterhalb der Besucherterrasse hat das Humboldt Forum die Kulturen Asiens angesiedelt. Zwei große Säle sind Südasien gewidmet. In einem steht eine große Bronze aus Südindien im Mittelpunkt. Sie zeigt den Gott Shiva als Nataraja, tanzend im Feuerkranz. Flammen umgeben die vierarmige Figur, wenn er die Welt erschafft, zerstört und wiedererschafft.

Der Kreislauf von Erschaffung und Zerstörung kennzeichnet unsere Zeit scheints besser als Erlösungsphilosophien und Endzeitstimmung: Geburt und Wiedergeburt, kein Anfang und kein Ende. Zwar kennen auch Ökonomen Zyklen, aber der Rest der Welt sieht Existenz als eine mehr oder wenig gerade Linie von Geburt bis Tod, von beruflichem Aufstieg bis zum hochverdienten Ruhestand. Selbst das dialektische Prinzip bewegt sich entlang einer Linie, wir nennen das Fortschritt. Irgendwann kommt ein Happy End. Nicht bei Shiva: Er schafft, zerstört, schafft erneut – wenn er seinen kosmischen Tanz aufführt. Und die Flammen schlagen gerade lichterloh in die Höhe.



Im Humboldt Forum nimmt aber auch der in Südasien entstandene Buddhismus großen Platz ein. So wird eine Nachbildung des berühmten Tors des Stupa von Sanchi ausgestellt, das Szenen aus Buddhas Leben darstellt.

Siddartha Gautama suchte nach einem Entkommen aus dem, wie er es empfand, leidvollen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt. Schließlich war es sein Mittelweg zwischen extremer Askese und einem nachvollziehbaren materiellen Verzicht, von Spiritualität und Gebet, der seine Religion zum Erfolg, ja unter den Maurya-Kaisern zur Staatsreligion in Südasien machte.

Der Buddhismus musste der alten Hindu-Orthodoxie nach einigen Jahrhunderten weichen, verbreitete sich aber über Afghanistan und Zentralsien nach Ost- und schließlich Südostasien.


Vom Nirwana sind wir weit entfernt. Dieser Endzustand verlangt übermenschliche Anstrengung in eigenem Hintanstellen, dem Verzicht auf Macht und Gewalt, dem In-sich-gehen statt sich von Außen ausbeuten und manipulieren zu lassen. Diese Grenze zu überschreiten wäre der Anfang.

Am Alexanderplatz hatte ich gestern das Gefühl einer cross-culture Gesellschaft in friedlicher Eintracht. Aber vielleicht war es auch nur die Polizeipräsenz, die Ungemach in Schach hielt. Es wäre schade.

Shiva war nicht am Alex. Aber Ganesha, sein Sohn, ist nie weit weg. Und der ist für Glück und Wohlergehen zuständig. Gestern Abend in Berlin hat er gewirkt.
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Na schau mal einer an, was unsere hippe Hauptstadt alles so zu bieten hat.
Ich glaube es war am selben Abend … nicht weit von dort … da hatte ich auch eine sehr nette Begegnung. Bis bald mal wieder.
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