Alle Jahre wieder

Es wird kaum jemand bezweifeln, dass Schlagzeilen zu Umweltkrisen in diesem Jahr keine Lückenfüller im Sommerloch waren. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Planeten.

Fußnote: Die großen (meist englisch-sprachigen) internationalen Tageszeitungen haben in ihren online-Ausgaben übers Jahr hinweg beeindruckende Dokumentationen zu Umweltkrisen veröffentlicht. Bislang findet man diese extrem aufwendigen, dem online-Medium gerechten Analysen in Deutschland selten. Es lohnt sich, die Links anzuklicken (die NYT ist leider nicht paywall-frei).

In Süd-, Südost- und Ostasien kann man sich monatlich die Umweltkrisen auswählen: Wahnsinnshitze im Juli in Zentralthailand, unvorstellbare Luftverschmutzung in Nordthailand im Februar, Überschwemmungen in Malaysia in beiden Monsunzeiten (Juni und Oktober) oder enorme Feinstaubbelastung durch das Abbrennen von Feldern auf Sumatra für die Malaysische Halbinsel und Singapur im Oktober/November. Als Tourist ist es ein Glück, die immer engeren Zwischenräume von gutem Wetter zu erwischen.

Für Ostasien nimmt man die reihenweise durchziehenden Taifune für Japan, Hongkong, Taiwan und die Philippinen oder Staubstürme in Nordostchina hinzu und für Südasien die großräumigen Überschwemmungen aus dem Sommermonsun und die kleinräumigen Katastrophen in Himalaya-Tälern (wie gerade in Sikkim), dann relativieren sich sogar die Hitzewellen und Feuersbrünste in unserem Mittelmeerraum. Zu Hitze und Waldbränden in Nordamerika ist alles gesagt und geschrieben.


Flutwelle im Teesta-Tal (Sikkim)

Die Überschrift aus den vergangenen Tagen sagt alles „Gefahren, die in schmelzenden Gletschern stecken“. Im Norden Sikkim ist ein solcher Gletschersee ausgebrochen und hat eine Flutwelle durch das Tal des Teesta nach Süden bis über die Landesgrenze nach Westbengalen verursacht, mit vermutlich über 100 Toten. Damit ist die einzige Straßenverbindung nach Gangtok und weiter nach Norden stark gestört.

Flooding in Indian Himalayas kills 50, leaves tourists stranded – The Washington Post, 8.10.2023

Maxar-Satellitenfotos von dem Gletschersee im Norden Sikkims (im W.P.-Artikel)

Die in Singapur erscheinende Straits Times hat zum diesjährigen haze in der Region eine aufschlussreiche Animation geliefert (der Link unten ist paywall-frei!).

Why the haze has reached Singapore’s shores again. The Straits Times, Singapur, 7.10.2023

Das Flämmen von Feldern und Plantagen ist die günstigste Art der Düngung und Rodung. Für Kleinbauern und -plantagenbesitzer bleibt keine andere Möglichkeit, da sie sich andere Düngerarten oder Pflanzenschutzmittel nicht leisten können, erst recht nicht eine Mechanisierung.

Planatagenlandschaft in Johore (Malaysia)

Die Metropolen Kuala Lumpur und Singapur sind der Luftverschmutzung aus Sumatra ausgeliefert. Proteste der dortigen Regierungen nützen wenig, da auch die in Jakarta in dem riesigen Inselreich wenig ausrichten kann – trotz aller Beteuerungen.

Malaysia mulls over stronger action on haze; Indonesia says it has sealed off 35 large plantations. Straits Times, 7.10.2023

Ein guter Freund, der in der Region lebte, meinte einmal lakonisch, sie (die Reichen in Malaysia und Singapur) ernten jetzt das, was sie mit ihren Geldanlagen in Plantagen angerichtet haben. Der globale Palmöl-Markt boomt mehr denn je, da der Bedarf an verarbeiteten Lebensmitteln in den Schwellenländern Asiens steigt. Der durch die globale Erwärmung verursachte Verstärkungseffekt von Luftmassen-Bewegungen und Niederschlags-Mustern erst macht eine Umweltkrise zur Umweltkatastrophe.


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