Ein Klimawunder aus Oman?

Manchmal klickt es im Kopf und einzelne Erinnerungen samt aktueller Meldungen setzen sich zu einem Mosaik zusammen. So ging es mir gestern, als ich ein Interview mit Talal Hasan, dem CEO einer Firma aus Oman auf BBC World sah.

Meine Erinnerungen gingen zurück an eine Wanderung im März 2017 im Hajar-Gebirge in Oman. Wie ein Pult ragt es nach Norden bis auf rund 2000 Meter Höhe auf und bricht in spektakulären Cliffs und Canyons zum Golf von Oman hin ab. Wir waren von unserer Bleibe auf einem Felsplateau einem Trail dem Cliffrand folgend gewandert.

Jebel al Akhdar – wo die Wüste den Himmel berührt. Reiners.blog, 7.3.2017

Nach einigen hundert Metern fiel uns zwischen den Gesteinsschichten, die schräg nach Süden abfallen, ein merkwürdiges Phänomen auf (ich bin kein Geologe!): Anthrazitfarbenes Gestein mit markanten hellen, wohl kristallinen Streifen lag überall an der Oberfläche herum. Es war so auffällig, dass ich es fotografierte.

Ein Jahr später kam mir ein Artikel aus der New York Times in die Hände, der dieses Gesteinsphänomen im Hajar-Gebirge erklärte: Hier tritt Peridodit aus dem Erdmantel an die Oberfläche. Das ist selten auf dem Planeten, erst recht in dieser Masse. Das Gestein hat eine seltene chemische Eigenschaft: Wenn es Luft oder Wasser ausgesetzt ist, wirkt es wie eine riesige Batterie mit viel chemischem Potenzial und verwandelt CO2 in Mineral, das sich im Gestein ansammelt. „Forscher halten es für möglich, in Peridotit-Gesteinen über noch zu entwickelnde technische Methoden Milliarden Tonnen von Kohlendioxid zu binden und damit aus der Erdatmosphäre zu entfernen“ sei hier aus dem Wikipedia-Artikel zitiert.

Peridodit ist also ein „Wunder der Natur“, das uns helfen könnte, CO2 aus der Atmosphäre zu nehmen und für immer in Gestein zu binden.

Zurück zu Gestern: Der junge Mann aus Oman wurde von der BBC live auf einer Fachmesse in Abu Dhabi zu seinem Start-up namens 44.01 interviewt. Seine Firma in Muscat hat sich zur Aufgabe gesetzt, jenen natürlichen Prozess, in dem Gestein CO2 bindet und mineralisiert, zu einem industriellen Großprojet zu machen. Millionen Tonnen CO2 könnten der Atmosphäre entzogen werden, Dank der chemischen Reaktion des Gases mit Wasser und Peridodit. Das Gestein kommt in Oman im gesamten Hajar-Gebirge vor, eines der größten natürlichen Vorkommen irgendwo auf dem Globus.

Der junge CEO wirkte kompetent und überaus selbstsicher. Wäre ich 20 Jahre jünger, ich würde mich für die (auf der Webseite der Firma annoncierte) Position als Senior Supply Chain Manager bewerben, Dienstort Muscat. Es wäre mal ein gutes Beispiel für ausgleichende Gerechtigkeit, wenn die finanziellen Ressourcen auf der Arabischen Halbinsel dazu beitragen könnten, das aus fossiler Energie erzeugte CO2 dort auch für immer einzulagern. Man kann ja mal träumen….

Webseite der Firma 44.01


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2 Gedanken zu “Ein Klimawunder aus Oman?

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