Dass ich so was schreibe, wundert mich selbst. Aber der US-Präsident – gerade noch mit Tech-Größen in Windsor Castle dinierend – haut den Herren des Silicon Valleys einen rein: Für aus dem Ausland angeheuerte Fachkräfte unter dem H-1B Status sollen Unternehmen jetzt 100.000 US$ Gebühr pro Beschäftigtem pro Jahr* zahlen. Unter solchen Visa können Ausländer mindestens drei Jahre in den USA arbeiten.
*Zusatzinformationen und Korrekturen 21.9.2025 (Quelle CNN): Die Gebühr steigt von 215 US$ auf 100.000 US$, einmalig pro Visum (nicht jährlich!). 85.000 Visa werden jährlich vergeben, 20.000 davon für (ausländische) Absolventen von US-Universitäten
Trump to impose $100,000 fee per year for H-1B visas, in blow to tech Reuters.com, 19.9.2025
Vor allem für Inder mit IT-Hintergrund war das der Lichtblick in ihrer Berufs- und Lebensplanung. Für amerkanische Fachkräfte wurde dieser Visum-Status zum Albtraum. Die Trump-Entscheidung ist logischerweise die Top-Schlagzeile indischer Tageszeitungen. Der Artikel in der in Chennai erscheinenden Tageszeitung THE HINDU gibt interessante Hintergründe, die von der indischen Nachrichtenagentur PTI (Press Trust of India) zusammen gestellt worden sind.
U.S. President Trump says abuse of H-1B programme a ‘national security threat’ The Hindu, 19.9.2025
“The H-1B non-immigrant visa programme was created to bring temporary workers into the United States to perform additive, high-skilled functions, but it has been deliberately exploited to replace, rather than supplement, American workers with lower-paid, lower-skilled labour,” wird Trump zitiert. Man könnte den Beitrag komplett übersetzen und ein „Like“ drunter setzen. Denn fast zwei Drittel (!) aller im US-IT-Sektor Beschäftigten arbeiten unter H-1B Visa. Amerikanische Facharbeiter mussten ihre eigenen Replacements einarbeiten, bevor sie entlassen wurden. Zitat aus dem HINDU-Artikel: „It also said that American IT workers have reported they were forced to train the foreign workers who were taking their jobs and to sign nondisclosure agreements about this “indignity” as a condition of receiving any form of severance.„
Wenn man sich über den Rechtsruck in den USA wundert, hier liegt einer der vielen Ursachen. Die US-Tech-Unternehmen, die das Visa-Schema missbraucht haben, trifft das ins Herz: Die Anordnung gilt faktisch ab sofort! Die Frage, ob es genug Fachkräfte in den USA gibt, bleibt ungelöst. Aber der ruchlose Geschäftsmann, der er ist, überlässt das dem freien (Arbeits)Markt in seinem Land.
Und Indien hat genug IT-Firmen, die den Arbeitsmarkt Zuhause nutzen können. Dennoch bleiben viel Träume junger Inder auf der Strecke, die Kehrseite von Outsourcen und Globalisierung.
The slowly dying American dream. The Hindu, Chennai, 26.9.2025
H-1B visa war will accelerate AI jobs reckoning. Kommentar, Reuters.com, 22.9.2025
P.S.: Zeitgleich erschien in der NYT ein Artikel über die Ausbeutung von ausländischen Praktikanten im J 1-Visa-Programm
Dieser Blog ist nicht der Platz für ideologische Diskussionen, aber die Frage sei erlaubt: Welche Verantwortung trägt das US-Wirtschaftssystem am Rechts-Ruck unter jungen Leuten? Welche Rolle spielt der Neoliberalismus bei der politischen Enttäuschung der Generation Z, drüben und bei uns? Warum haben die traditionellen Kräfte der „Mitte“ keine Antwort darauf?
Titelfoto: pexels.com
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Nur, weil das meiste schlecht ist, ist nicht automatisch alles mies, was der dort drüben macht. Den Techkonzernen sollte auch die EU mal genauer auf die Finger schauen, finde ich. Steuern sollten sie auf jeden Fall so viel zahlen, wie andere Firmen mit ähnlichen Gewinnen auch.
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Und das kann nur die EU durchsetzen! Mich wundert, dass man Irland z.B. das Privileg einräumt, die Konzerne mit ihren Europa-HQs nicht zu besteuern. Die derzeitige US-Regierung will Meta, Alphabet, und der Musk-Gruppe die Welt(markt)beherrschung ebnen – machen alle mit ihren Schlüsselindustrien. Aber dass sie auch noch ihre Arbeitskräfte im „Heimatland“ ausbeuten oder illegal beschäftigen, das haut dem Fass den Boden aus. Und das sage ich, der – to be honest – ein Bewunderer der Google-Dienste ist 🙂
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Er muss nur aufpassen, dass irgendwer noch die ganze Arbeit dort macht … oder machen kann
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Dann bleibt sie liegen (böser Scherz :-)) Die Inder hoffen, dass US-Firmen jetzt AI-„Produktionsstätten“ in ihr Land auslagern.
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