Mit Röntgen- oder Ultraschall-Technologie kann man sie nicht sichtbar machen. Aber sie bilden die Kampftruppen im Immunsystem, die jeden Eindringling unschädlich machen sollen. Manchmal hören sie einfach nicht auf.
Auf meine Frage, ob das Immunsystem so etwas wie der heilige Gral der Medizin sei, dreht der Bot von ChatGPT die Tonlage etwas runter: nicht im mystischen Sinne, aber doch der Schlüssel zu vielen Erkrankungen. Während geschwächte oder „übertölpelte“ Immunsysteme häufiger sind, gibt es wenige Erklärungen für ein überaktives Immunsystem, das selbst den eigenen Körper angreift. Krankheiten wie Multiple Sklerose, Rheuma oder Typ-1-Diabetes entstünden durch Fehlregulation des Immunsystems, schreibt ChatGPT zurück haltend. Es ist halt „auto-immun“, ein selbstfahrendes in die Irre geleitetes System, das schwer zu stoppen ist (wie ein autonom fahrendes Auto, das Fußgänger anzielt, setze ich dem entgegen): Einmal falsch programmiert fährt es los, greift Thrombozyten an oder Muskelzellen. Wild gewordene, geradezu aggressive T-Zellen sollen es sein. Nichts kann die bändigen, kein sorgfältiges „Training“ durch Immunglobulin-Infusionen, keine Unterdrückung durch eine Tablette.
Richtig gesteuert, vermag es aggressive Tumore zu bekämpfen, bei bestimmten Krebsarten sei die Immuntherapie heute die vielversprechendste Behandlungsmöglichkeit, schreibt mir Chat-GPT. Infektionskrankheiten COVID-19 hätten erneut gezeigt, wie zentral das Immunsystem in der Abwehr von Viren ist. Und: Impfstoffe „trainieren“ das Immunsystem – mit massiven Erfolgen. Das erkenne ich an, eine lobenswerte Leistung der Medizin.
Nobelpreis für Medizin geht an drei Immunforscher. SPIEGEL online, 6.10.2025

Aber ich lebe weiter mit einem wild gewordenen Immunsystem, das mich zwar gegen Corona- und Erkältungsviren verteidigt, als trüge ich einen Spiderman-Anzug, das aber meine Muskeln als gefährlichen Gegner ansieht. Daher, so mein Tagtraum, muss ich vermitteln. Ich lade beide Parteien, die T-Zellen und die Quadriceps-Muskeln zum Gespräch in einen Raum nahe der Milz.

Die Spannung ist geladen und ich lege daher Wert auf eine vertrauensvolle Atmosphäre. „Wir alle haben unsere Aufgaben im Körper“ beginne ich, aber der Chef der T-Zellen-Delegation springt dazwischen „Komm zur Sache!“ Die beiden Quadricepse, angereist von oberhalb des Knies, sehen sich betroffen an, schweigen aber. Also Klartext von mir: „Es muss mit den Attacken auf Muskeln aufhören“ sage ich barsch. „Das sind keine Tumore. Ihr solltet Euch auf Viren konzentrieren.“ Reimt sich gut, denke ich noch, da fährt eine vorlaute T-Zelle dazwischen: „Und wenn wir nichts zu tun haben?“ „Also bitte“ antworte ich „Alarmzeiten zählen auch und werden nach gängigem Stundensatz berechnet, samt Ausgleichszeit.“ „Wir sind friedlich und bewegen uns nur zum Treppensteigen oder beim Aufstehen“ wirft einer der Quadricepse ein. „Ihr müsst uns nicht mit Eiweiß einschließen, als ob wir Verbrecher sind.“
Ich stimme zu, denke auch an Stepper und Spinning, will aber neutral erscheinen. Die T-Zellen lassen das nicht gelten: „Alles was wächst und sich bewegt müssen wir bekämpfen, basta!“ Ich erwähne kurz Cortison, das war zu viel: Sie verlassen wutschäumend den Raum. Mir bleibt nichts übrig, als die beiden Qudricepse um Geduld zu bitten. „Ich schicke Euch ab und zu Nervenströme“, verspreche ich. Ein schwacher Trost und ich spüre die Traurigkeit, als sie Richtung Oberschenkel davon trotten. Nie die Hoffnung aufgeben. …
Der Chat-Bot holt mich zurück in die Wirklichkeit: Das Immunsystem sei eben hochkomplex und könne ebenso viel Schaden anrichten wie helfen. Es sei individuell sehr unterschiedlich – die „eine“ Lösung gäbe es nicht. Na, das passt ja gut in die Zeit. Gegen Gebühr vermiete ich meine aggressive T-Zellen-Armee jedem Interessenten, wie der Typ in Nordkorea.
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Schön, dass du deine Krankheit mit Humor ertragen kannst. Vielleicht schafft es die KI bald, die Vorgänge bei Autoimmunkrankheiten zu verstehen und zu heilen. Es gibt Experten, die sagen, dass KI in 5 bis 10 Jahren alle Krankheiten und andere Probleme der Menschheit lösen wird.
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Danke für die Aufmunterung ☺️ Ja, das wäre eine echte Challenge für die KI, und eine, die allen Zugute käme. Ich hoffe, die KI-Firmen „trainieren“ ihre Geschöpfe auch an medizinischen Fachzeitschriften.🙏🙏
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Ich bin davon überzeugt. Aber das Ergebnis wird vermutlich nicht open source, sondern lizenziert zum Geld drucken.
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Hier noch ein Link zu einem guten Artikel
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Der Artikel ist wirklich beeindruckend. Hast du eine Gitarre?
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Leider nein. Ab und zu spielt mein Lieblingssender einen Live Mitschnitt seines Hits. Aber ich habe seine Autobiographie auf’m Kindle.
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