Das fabelhafte Glasfaserkabel

Jahrelang hingen die Plakate an Laternenmasten: Schnelles Internet, jetzt auch in (beliebiger Dorfname)! Nichts passierte, außer dass die Anbieter wechselten. Immer wieder wurden wir vertröstet. Und dann, wie aus dem Nichts tauchten in unserer Vorstadt vor gut zwei Wochen kleine Bagger und Männer in neonfarbener Kleidung auf. Sie sprechen zwar nicht unsere Sprache, aber an Fleiß stehen sie jener legendären Eigenschaft, die man uns zuspricht, in nichts nach. Und so bewegten sich die Maschinen, Männer und Absperrwende aus Kunststoff langsam auf unser Haus zu. Jetzt sind sie da!

Gestern wurden wir sozusagen aus dem Schlaf geklingelt: der U-Bahnbau beginnt direkt in der Einfahrt. Mühsam müssen dicke Kabel unter dem Verbundpflaster vergraben werden, das Wunderkabel endet im Keller. Die Hausanschlüsse kommen später. Eigentlich sind wir vollverkabelt, aber die Kupferleitung ist wohl nur noch Schrott wert. Bei den derzeitigen Kupferpreisen sollten wir sie bei Ebay verkaufen.

Unvollendet, in Lila

Ich freue mich auf das fabelhafte Kabel aus Glasfäden, auch wenn ich es erst glaube, sobald sich die Gigabits in Millisekundenschnelle in meinem Arbeitsspeicher bewegen. Jahrelang in Talkshows diskutiert schreitet die Digitalisierung in der Fäche endlich voran. Geht doch! Vielleicht eröffne ich ein Internetcafe (das Foto aus der benachbarten Großstadt stammt von Vorgestern).

Mein schnelles INTERNET, mit eine Tasse CAFE Latte und dazu weltweit günstig, läge hinter bunten Geranien. Ich bin offen für Co-Working Space auf der Veranda oder der Terrasse. Getränke und Spirituosen kann man sich aus dem Keller holen (Tabakwaren sind allerdings Tabu) und zum Bezahlen biete ich Alipay an.

Jetzt fehlt nur noch ein Haltepunkt für die Bahnlinie 500 Meter vom Haus, auf der bislang Geisterzüge hin- und herfahren. Ich steige dann ein und erst wieder in Peking aus. China, pass auf: Wir kommen.


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6 Gedanken zu “Das fabelhafte Glasfaserkabel

  1. Bei uns waren die auch schon vor einem halben Jahr. Die werden nach Meter bezahlt, deshalb sind die so fleißig. Ich tippe auf Ausbeutung. Allerdings liegt das Kabel immer noch vor dem Haus ohne Anschluss.

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    1. Ich hänge mich am Montag mal in die Warteschleife des einstigen Staatsunternehmens, schließlich sind wir Bestandskunden und haben schon einen Vertrag für Glasfaser – die Hoffnung stirbt zuletzt.

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      1. Der Telekom Vertrieb war bei mir recht offensiv und bei mir stellen die jetzt um. Sogar die ganzen einmaligen Kosten fallen angeblich weg, ich werde berichten. Und dann fliege ich durchs Internet.

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      2. Na immerhin, die Kilometer sind gemacht, aber wir wissen ja, in unserem Land struggeln wir oft am letzten Meter … aber wird schon

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