Botschaft aus den Appalachen

Jeder darf mal eine Rede halten, auch in einem Münchener Hotel dieser Tage. Und eigentlich wäre der Aufstieg eines Mannes aus dem Hinterwald zum US-Vizepräsidenten ein Grund, auf das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ anzustoßen. Aber was er uns heute mitzuteilen hatte, hätte er besser in seiner Heimat und dem dortigen Kultpublikum vorgetragen.

Hatte er nicht gerade die Gedenkstätte im einstigen KZ Dachau besichtigt? Hat ihm jemand gesagt, dass dies kein Summer Camp in Bavaria war, sondern Mahnmal an ein grausames Regime? Dass unsere Brandmauern zu Verharmlosern oder gar Leugnern einen guten Grund haben? Und dass wir uns Belehrungen über unsere Demokratie von denjenigen verbitten, die gerade die US-Verfassung beerdigen? Hat ihm wohl keiner, und ab jetzt wäre für mich als HR Officer ein Zeugnis der Yale Law School wertlos.

Noch bevor die Rede über die Agenturen verbreitet wurde, hat die in Malaysia erscheinende New Straits Times einen Kommentar publiziert, der in seiner Deutlichkeit einem wichtigen Handelspartner gegenüber nicht zu übertreffen ist. (Ich habe ihn mit Hilfe von Google Translate übersetzt und leicht nachbearbeitet):

Die Welt am Abgrund    (NST Leader)  New Straits Times, Kuala Lumpur,  14.2.2025

Donald Trumps Inquisition und seine Zerstörung der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Konventionen Amerikas haben die Welt erschüttert, und das alles in nur vier turbulenten Wochen. Die unbeständige Regierungsführung des amerikanischen Präsidenten wird von seiner kultischen Basis in der Republikanischen Partei angetrieben, angeführt von den Unterwürfigen des techno-industriellen Komplexes, den sogenannten „Tech Bros“, und gesteuert von rechtsextremen Potentaten, die das „Projekt 2025“ vorantreiben, ein extrem antiprogressives Konzept, das Trumps chaotisches Drehbuch bestimmt.

Aus persönlicher Rache hat Trump die progressive Politik seiner Vorgänger rücksichtslos demontiert und Tausende von Beamten im Namen von Verschwendungsreduzierung und Verbesserung der Regierungseffizienz entlassen. Und ja, er hat seine administrativen Speichellecker eingesetzt, um seine vielen noch ausstehenden Anklagen vor Bundesgerichten zurückzuziehen.

Die Welt sieht dem unvermeidlichen Chaos in Amerika mit Achselzucken entgegen, ist jedoch bestürzt über den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation und dem Pariser Klimaabkommen. Die internationale Diplomatie taumelt unsicher aufgrund von Trumps hohen Zöllen gegen wichtige Handelspartner und Verbündete, seinen skurriler Weise undurchführbaren Gebietsansprüchen auf die Souveränität Kanadas, Grönlands und des Panamakanals sowie der Zerstörung der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID), der Lebensader der Menschheit gegen Kriegstreiberei und Hunger sowie für Obdach und Gesundheitsversorgung.

Das Trump-„Geflecht“, seine rednerischen und administrativen Stunts, verpackt in performative und transaktionale Theatralik von Executive Orders ist entweder die Perversion eines Tollhauses oder der Meisterstreich eines machiavellistischen Apostels. Trump heizte diesen brodelnden Hexenkessel an, indem er unaufrichtig seine ausgefallene Immobilienphantasie über Gaza bekräftigte, um es in eine „Riviera des Nahen Ostens“ umzuwandeln, wobei er historische, internationale und rechtliche Grundsätze missachtet und die Aussicht auf ein palästinensisches Blutbad heraufbeschwört.

Die Welt kann nicht schnell genug gegensteuern: Die Autorität der Vereinten Nationen ist so ineffektiv, dass jeglicher Widerstand entweder keinen Bestand haben wird oder sie einem amerikanischen Veto und Interventionen im Hinterzimmer nichts anhaben kann. Es liegt also an den gegenerischen Supermächten, wie den BRICS-Staaten, einen gemeinsamen Aktionsplan auszuarbeiten.

Wenn es einen Rivalen gibt, den Trump nicht niedertrampeln kann, dann ist es sein Spiel mit einem allmächtigen Drachen, nämlich sein Bestreben, Chinas Handel und seine technologische, militärische und gesellschaftspolitische Stärke zu beeinträchtigen. Stattdessen ist es für China allenfalls unbequem, sich neu formieren zu müssen anstatt vor seinen Machenschaften zu kapitulieren. Letztendlich ist nur China dynamisch, einfallsreich und clever genug, um Trumps Kurswechsel auszumanövrieren: Es hat riesige Schritte unternommen, um seine Machtpunkte und seine globale Reichweite zu stärken.

Es gibt immer noch diesen heiklen Vergeltungsvorschlag, den China möglicherweise nur ungern umsetzen wird: die Entäußerung seines Treasury-Portfolios an US-Auslandsschulden, gewaltige 1,2 Billionen US-Dollar, welche die Wirtschaft erschüttern und Amerika dazu bringen werden, einen „Kriegsakt“ zu erklären. Solches Getöse ist bedeutungslos: Chinas hochentwickelte Streitkräfte sind eine solide Abschreckung gegen die militärische Invasionsmacht Amerikas. Dennoch muss China diese grundsätzliche Option mit seiner Schwachstelle in Einklang bringen: der enormen Handelsabhängigkeit von Amerika, wo Chinas riesiger Fertigungssektor jährlich Konsum- und Industrieexporte im Wert von 180 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet.

Kurzfristig hat Chinas Machtfeld die amerikanischen Sticheleien in wichtigen Kampfkategorien „gemanagt“, so dass es derzeit noch ein schwelendes Patt ist.

P.S.: Das Einstiegsbild ist von der WordPress K.I. ohne weitere „Anweisung“ erzeugt worden

Quelle: Wang Yi tells security forum China will respond ‘resolutely’ to any ‘bullying’ by US | South China Morning Post 15.2.25
Quelle: Is democracy in danger? S Jaishankar shows inked finger after US Senator’s remark | Latest News India – Hindustan Times
Quelle: Taiwan willing to assist friendly democracies with semiconductor development | Taiwan News | Feb. 15, 2025 14:45

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3 Gedanken zu “Botschaft aus den Appalachen

    1. „HillBilly Elegy“ war 2016 ein Kultbuch. Scheint heute ein Horror-Roman, von einem gekauften Zombie – oder der von einem cleveren „Mephisto“ (Klaus Mann lässt grüßen). Der Chef-Ideologe hinter einer Immobiliendynastie.

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