Unter Fischern

Fischer bereiten ihr Boot zur Ausfahrt vor.

Kovalam Beach in Kerala hatte in den 1970ern und -80ern einen legendären Ruf. Er war der beste Strand zum Abhängen südlich von Goa und lag nur eine halbe Busstunde von Trivandrum entfernt. Zwei Buchten, eingerahmt von Palmen und Felsvorsprüngen, unter einem Leuchtturm.

Es gab ein paar einfache Hotels oder Lodges, die sich die wenigen westlichen Backpackers teilten. Mittendrin die Hütten der Fischer, deren Fang abends in den kleinen Restaurants angeboten wurde.

Die Holzboote lagerten am Strand und wurden mit Menschenkraft ins Wasser und wieder heraus transportiert.

Für die Fischer war es harte Arbeit, man musste früh aufstehen, um sie beim Tagwerk zu beobachten. Aber da unsere Kinder auch bei Sonnenaufgang lebendig wurden, passten wir uns dem Rhythmus an. Ich erinnere mich an die legendären Banana Pancakes oder Massala Omlettes zum Frühstück.

Man erwischt sich oft dabei, die Vergangenheit zu verklären: Reisen an den Strand aus den Bergen Tamil Nadus waren anstrengend (Bus und Nachtzug von Madurai nach Kollam, damals Quilon etc.), unser Budget war sehr beschränkt und das staatliche 5-Sterne-Hotel auf einem der Felsen unerreichbar. Dafür aber war es ein Strand mit viel Ruhe – keine lauten Parties, sondern Meer, Sand und die Sonne im Tageslauf pur. Indischen Tourismus im heutigen Sinne gab es noch nicht, allenfalls sonntagsabends kamen Besucher aus Trivandrum, um unser Treiben zu beobachten.

Abends saß man noch mit einer Limonade (Bier war aufgrund hoher Steuern eine Kostbarkeit) im Strand-Cafe und schaute aufs Meer, das sich im Sonnenlicht golden färbte. Die Fischer waren längst in ihren Hütten verschwunden. Und auch für uns war der Tag dann zu Ende.

Ich habe Kovalam über 20 Jahre lang immer mal wieder besucht, meist mit Fachexkursionen von Geographen. Der Wandel zum Touristenmagnet für die indische Mittelschicht verlief wie im Zeitraffer. Heute ist Kovalam einer von vielen überlaufenen Orten zwischen Goa und dem indischen Südkap. Es tat bei meinem letzten Besuch 2005 schon weh zu sehen, was aus unserem Traumstrand Mitte der 1980er Jahre geworden ist. Aber man muss konstatieren: Das ist der Preis für den wirtschaftlichen Aufstieg Indiens. Und Kovalam ist überall an den Weltmeeren.

Nachtrag 27.5.2025: Schiffsunglück und die Folgen

Nur ein, zwei Kilometer südlich des Leuchtturms wurde ein „modernes“ Container-Terminal gebaut. Mit Folgen…

Containers from capsized Liberian ship wash ashore on Thiruvananthapuram coast in Kerala. THE HINDU, 27.5.2025


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