Kaum einer weiß, dass es im äußersten Süden Indiens Bergwelten gibt, die weit über 2000 Höhenmeter hinaus ragen. Ich wußte das bis zur Unterzeichnung meines Arbeitsvertrages mit einer Internatsschule in der Bergstadt Kodaikanal auch nicht. Sie liegt in gut 2000 Meter Höhe im Bundesstaat Tamil Nadu nahe der Grenze zu Kerala. Ich fand diese Fotosequenz von 1986, bei der ich einen Schwarzweiß-Film in die Kamera eingelegt hatte.

Wer sich für Reformpädagogik interessiert mag wissen, dass Maria Montessori und ihr Sohn Mario von 1939 bis 1946 dort lebten und arbeiteten, weil die Alliierten den beiden die Ausreise aus Indien nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht gestatteten.
Unser Haus (Titelbild oben) – ein klassischer Bungalow – lag auf einem Compound in der Stadtmitte, der von riesigen Eucalpytus-Bäumen geschützt war. Die beiden guten Geister im Haus, Rajamal (links) zuständig für Cleaning und Wäsche sowie Antonima (rechts), die Köchin, sorgten für ein bescheiden „luxuriöses“ Dasein.


Beide lebten in der Unterstadt und hatten einen halbstündigen Fußweg zur Arbeit in unserem Haus, mit Rajamal und ihrer Familie hatten wir noch 30 Jahre lang Kontakt (unser letzter Besuch bei ihr war 2016), Antonima zog nach Beendigung ihrer Arbeit bei uns zu Verwandten nach Chennai.



Auf dem Weg zur Arbeitsstelle wurde im Bazar unweit unseres Compounds eingekauft, Gemüse und Obst gab es täglich frisch.


Wellblech bedeckte Häuser im Bazar, mit der Filiale der State Bank of India (unserer „Hausbank“, großes Gebäude im Hintergrund), das Postamt, ein Buchladen und Läden für lokales Handwerk.


Auf den Bildern ist zu erkennen, dass der Anteil an Barfuß-Gehenden noch sehr groß ist (es ist auch an warmen Tagen am Boden empfindlich kalt in 2000 m Höhe).




Das Bild oben verdient ein Vorher/Nachher, denn die Hänge der Unterstadt sind heute mit Hotels und Läden dicht bebaut.



Was als Freizeit blieb, waren die guten Nachbarschaften (auch unserer Kinder mit denen aus den Nachbarhäusern auf dem Compound) und Spaziergänge um den Kodai Lake, der von den Briten künstlich angelegt, das Herz des Hill Stations bildete.
Heute ist Kodaikanal ein Touristenziel der indischen Mittel- und Oberschicht, stark zersiedelt und hochfrequentiert in der Peak Season (April/Mai), wenn es unten in der Ebene an die 40 Grad geht.
Vor 40 Jahren: Aufbruch in eine andere Welt. Reiners.blog, 5.4.2023



Familie (in Jaipur 1985)
Entdecke mehr von Full Circle
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

In der Ecke war ich doch letzten Januar … dachte ich kurz … um dann festzustellen, dass zwischen dem Bergort Ooty und Kodaikanal doch noch 250 km liegen, knappe 7 Stunden Fahrzeit durch die Berge … quasi „umme Ecke“
LikeGefällt 1 Person
Stimmt, einmal die Nilgiris runter und dann die Palnis wieder hoch. Du warst dicht dran. In Ooty, das wesentlich größer ist, hast du vielleicht einen Eindruck von einem südindischen Bergort gewonnen 🙏
LikeLike