Selbst der brutalste Herrscher bemüht zuweilen metaphysische Kräfte, wenn er knapp mit dem Leben davon gekommen ist. So als ob der Weltgeist schützend die Hand über seine schlimmsten Vollstrecker lege. Vor 80 Jahren war das so irgendwo in einem Waldgelände im Osten. Ein schwerer Eichentisch milderte die Wirkung einer Bombe, die für das personifizierte Unheil der Menschheit bestimmt war.

Vor einigen Tagen flog einem anderen, der immerhin für einen Tag Diktator sein möchte (wer „Tag“ hier nicht als Metapher für „Jahre“ versteht, dem ist nicht zu helfen), eine Kugel buchstäblich um die Ohren. Die New York Times berichtet, dass er seinem Arzt sagte, sein Leben verdanke er der Kopfdrehung zu einem elektronischen Billboard.
Er wollte seinen Zuhörern im verarmten ländlichen Pennsylvania gerade erklären, wie stark das Land von illegalen Einwanderern überschwemmt werde, die er für Kriminalität und Drogenhandel verantwortlich macht. Deren Deportation ist fester Bestandteil seines Regierungsprogramms. Jetzt erhält das metaphysische Dimensionen – und wird damit im Fall eines Wahlsiegs umgesetzt.
Im Gesicht blutend und mit erhobener Faust – ein Bild, das demnächst gerahmt mit einem Bibelspruch in den Wohnzimmer hängt – erklärt er sich jetzt (erst recht) zum Kämpfer und Heilsbringer. Die Vorsehung muss er gar nicht bemühen, er selber ist eine Art Achilles.

Im Titelbild dieses Posts hat die WordPress K.I. eine denkwürdige Interpretation zum Prompt „Vorsehung“ angefertigt:

Eine Hand hält die Kamera, die wie zu einem Selfie auf den Fotografen gerichtet ist. Aber durch das hochgeklappte Suchbild sieht er in die Gegenrichtung: eine Allee in der Dämmerung. Das Subjekt blickt, in dem es sich selbst betrachten will, über sich hinaus in eine andere Dimension: Die Allee ist im Vordergrund noch klar abgezeichnet, verschwindet aber in der Tiefe des Bildes. Was immer sich die K.I. „gedacht“ hat, wer die Vorsehung bemüht, sieht sich als Erlöser von Übel und Beschützer vor Gefahr.
Im von religiösen Mythen durchdrungenen Land jenseits des Atlantiks bedarf es keiner großen Phantasie, um sich vorzustellen, dass Wahlkampf jetzt zu Heilserwartung mutiert.
Nachtrag 16.7.24: Eindrücke eines Reporters der NYT vom Parteitag in Milwaukee.
Ich war am Montagabend mit einigen Delegationsmitgliedern aus Missouri und Kansas zusammen – der Region, in der ich aufgewachsen bin – und war beeindruckt von der weitverbreiteten Annahme, dass göttliche Intervention nicht nur Trumps Leben, sondern auch die Zukunft der Vereinigten Staaten gerettet hatte. „Haben Sie gehört, was er direkt nach der Erschießung gesagt hat? Er stand auf und schrie: ‚Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe!‘“ sagte Adam Horn, ein Delegierter und PR-Manager aus Warrensburg, Missouri. „Er wurde angeschossen und wollte trotzdem weiterkämpfen, und warum? Damit er weiter für alle Amerikaner kämpfen konnte. Deshalb wurde er gerettet.“
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Ich habe mich dazu ja auch schon geäußert. Was mich kolossal nervt, ist die Berichterstattung dazu, selbst in den öffentlich-rechtlichen Medien. Da wurde er gestern gesagt, Trump sei „blutüberströmt“ gewesen und die Demokratie sei in Gefahr. Ich geh kaputt. Also manchmal sehe ich nach dem Rasieren auch so aus. Und die Demokratie ist doch durch Trump in Gefahr. Mir grault nun noch mehr vor dem Wahlkampf, denn das wird er dem Biden ständig aufs Brot schmieren.
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Das befürchte ich auch, er hat sich ja bereits früher mit Jesus verglichen. Und das im 21. Jahrhundert. Man mag es nicht glauben.
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Wir werden es bei der bevorstehenden „Krönung“ in Milwaukee erfahren. Halleluja.
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