Weg von Schnee und Eis

Vor meinem Fenster spielt sich jeden Morgen eine Oper ab: Noch im Dunkeln hört man in der Ferne einen Muezzin. Der weckt die Vögel auf, die kreischend den Tag herbeirufen. Er kündigt sich mit einem Farbenspiel an. Am Himmel hängt die Venus, aber bald wird sie vom Blau verschluckt. Die Aufführung spielt sich in weniger als 45 Minuten ab, Tagesbeginn an der Straße von Malacca.

Die Bilder vom tief verschneiten Bayern wirken wie von einem fernen Planeten. Immerhin, sie passen zum ersten Adventssonntag. Ich habe Norddeutschland bei minus 5° verlassen und landete vorgestern in Kuala Lumpur bei plus 30°. Scheint, ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft.

Man könnte beim blauen Himmel und 30 Grad vergessen, dass die Weihnachtszeit beginnt. An der Jonker Street im alten Viertel Malaccas tauchte der erste Tannenbaum auf. er stand wie verloren in der Tropenhitze.

Aber was Malacca auszeichnet, ist das Nebeneinander der Kulturen. 500 Meter Luftlinie von St. Peters Church liegen nebeneinander Hindu-Tempel, Moschee und Buddhaheiligtum.

In einer Zeit neuer Religionskriege ist das zumindest bemerkenswert. So sei allen ein Licht gegönnt, und der Weihnachtsbaum passt ganz gut zum chinesischen Tempel.


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