
„Lang lebe der König“ (Daulat Tuanku) und „Gott segne den Sultan“ (Allah Peliharakan Sultan) steht auf einem Wandgemälde in Muar. Die Stadt an der Straße von Malacca liegt im Bundesstaat Johor, der südlichste auf der Halbinsel und angrenzend zum Inselstaat Singapur. Der Sultan von Johor ist soeben zum neuen König von Malaysia gewählt worden. Er zieht am 31. Januar 2024 in den Palast in Kuala Lumpur. Wie das?

Malaysia ist ein föderalistischer Staat, mit 13 Bundesstaaten und vier Bundesterritorien. Das Staatsoberhaupt ist ein König, der alle fünf Jahre von den Sultanen auf der Halbinsel (Peninusula Malaysia) gewählt wird. Malaysia ist (zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten) die einzige Wahlmonarchie auf dem Globus. Der neue König ist der 17. seit der Staatsgründung 1957. Das Amt hat nur zeremonielle Bedeutung, aber in den komplizierten parteipolitischen Lage der letzten Jahre hat der König eine stabilisierende Rolle eingenommen.


Die konstitutionelle Geschichte Malaysias ist einigermaßen „lebhaft“, zumal erst in jüngster Zeit wieder Veränderungen vorgenommen wurden, die den Status der zwei Staaten im Osten Malaysias, Sarawak und Sabah auf Borneo, betreffen. Diese beiden Kronkolonien wurden 1963 nach Volksabstimmungen der Föderation auf der Halbinsel beigefügt (die Insel Labuan vor der Küste Sabahs und des Sultanat Bruneis erhielt den Status eine Bundesterritoriums mit großzügigen Steuernachlässen für Investoren).

Johor ist heute d e r „Palmölstaat“ auf der Halbinsel (fast 40 % der Staatsfläche sind mit Ölpalmen bepflanzt), profitiert aber auch immens von der Nachbarschaft zu Singapur. Aus vorkolonialer Zeit sind die Sultane, besonders der neu gewählte König aus Johor, sehr wohlhabend. Aber da sind sie in monarchischen „Kreisen“ dieser Welt in guter Gesellschaft, erst recht beim Oberhaupt des britischen Commonwealth of Nations, zu dem Malaysia gehört.
Für uns ist es irritierend, dass Malaysia im derzeitigen Krieg in Nahost eine starke anti-israelische Position einnimmt. Die aber hat zumindest Kontinuität, beide Länder haben keine diplomatischen Beziehungen. Irritierend auch deshalb, weil Malaysia großen Wert auf seine multikulturelle Gesellschaft legt, zu der Inder und Chinesen einen großen Beitrag leisten und zu der auch Minderheiten wie Christen und die Orang Asli, die Ureinwohner der Halbinsel gehören.
Vermutlich ist dies alles Teil des großen Balanceaktes, den die Regierung innen- und außenpolitisch üben muss, um divergierende Interessen im Gleichgewicht zu halten. Als gewählter König kann das Staatsoberhaupt dabei eine besondere Rolle spielen, ähnlich wie der Bundespräsident bei uns.
Sich mit der politischen Verfassung eines Landes zu beschäftigen (übrigens, auch der eigenen), hilft politische Trends jenseits unserer Nabelschau zu verstehen. Die Länder Südostasiens und der ASEAN-Gemeinschaft schauen umgekehrt sehr genau auf Europa und die EU.
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Das ist ja mal ein interessantes Konzept, einen König zu wählen. Wenn er stabilisierend wirkt, macht das sogar Sinn. Und zur Not hat er ja in seinem Palast eine beeindruckende Sammlung an Dolchen.
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Ja, es gibt neun Sultansfamilien, je eine für jeden Bundesstaat (=einstige Fürstentümer). So ein Sammlung von Kris (=Dolche) haben die sicherlich. Übrigens, „amok“ ist ein Wort aus der malaysischen Sprache (Bahasa Malaysia).
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Interessante Hintergründe, danke.
Schönes Wandgemälde da oben, wo der Maler auf dem Worldwide-Standard-Press-Plastik-Stuhl sitzt. Blöderweise ist ihm dabei ein LKW über den Fuß gefahren.
Entschuldigung … ich hatte heute einen Schalk zum Frühstück.
Grüße aus Südböhmen!
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Gut beobachtet, auch die Stuhlbeine haben was abgekriegt, wie es scheint. Trick 17 bei der Perspektivmalerei. Genieße die Zeit da unten.
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