Rameswaram: Abenteuer auf der Adams-Brücke

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Auf dem Satellitenbild wirken die Inseln zwischen dem südindischen Festland und Ceylon wie Trittsteine in einem flachen Gewässer. Tatsächlich glauben zum Beispiel Muslime, dass Urvater Adam sich diese Steine zurechtlegte, um nach der Vertreibung aus dem Paradies auf dem sogenannten Adam’s Peak in Sri Lanka Buße zu tun. Für die Hindus ist die Inselkette noch viel wichtiger: Sie nennen sie daher Ram Sethu, Ramas Brücke.

Im Ramayana wird beschrieben, wie die Affenarmee unter Führung Hanumans eine Brücke zwischen Lanka und dem Festland baut, damit Rama und seine geliebte Sita nach dem Sieg über Ravanna die Insel trockenen Fußes verlassen können. Für die beiden großen Religionen gibt es keinen (Glaubens-)Zweifel daran, dass die Brücke von Menschenhand stammt. Adam’s Bridge oder Ram Sethu sind somit feste topographische Begriffe geworden.

Nähert man sich von Pamban aus der Insel Rameswaram, wird die Landschaft entlang der Nationalstraße zusehends „karibischer“: Heller Sand, Kokospalmen und ab und an ein Blick aufs blaue Meer lösen die vegetationsarme, trockene Ebene hier im südöstlichen Tamil Nadu ab. In einigen Abständen heißen Schilder im „Gulf of Mannar Biosphere Reserve“ willkommen. Links der Straße verläuft die Bahnlinie von Madurai nach Rameswaram. Züge aus ganz Indien bringen Pilger auf die Insel, die im Ramanathaswamy-Tempel den Siva-Lingam verehren. Dieser Tempel mit seinen gewaltigen Säulengängen und 22 Teerthams (Brunnen, Badestellen) führt seine Gründung ebenfalls auf das Ramayama zurück, weil Rama aus Dankbarkeit hier dem Gott Siva einen Tempel erbaute. Nach Varanasi ist Rameswaram das wichtigste Pilgerziel für viele Hindus. 

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Die Straße steigt auf einer Rampe zur Indira Gandhi Bridge an, links wird der Blick frei auf die Palk Bay, rechts auf den Golf von Mannar. 1988 wurde die nach der früheren indischen Premierministerin benannte knapp 3 km lange Straßenbrücke eingeweiht. Auf ihrem Scheitelpunkt halten Autos und Kleinbusse, die Insassen wollen den Ausblick auf die Palk Strait genießen. Der Wind an diesem frühen Juliabend macht die Hitze erträglich und lässt die Schwüle  vergessen. Unter uns liegt die Eisenbahnbrücke, die schon 1914 dem Verkehr übergeben wurde. Sie feierte 2014 ihr 100-jähriges Bestehen. In der Mitte kann ein Brückensegment angehoben werden, sodass kleinere Schiffe passieren können. Zwischen 1914 und 1964 fuhren die Züge von Madras-Egmore bis Danushkodi und erreichten so die Fähre nach Talaimannar auf Ceylon, von wo die Bahnstrecke weiter bis Colombo führte. Ein Zyklon zerstörte 1964 Bahnhof und Fähranleger in Danushkodi sowie die Gleisanlagen. Auch alle Fährverbindungen mit Rameswaram wurden mit Beginn des Bürgerkrieges in Sri Lanka Anfang der 1980er Jahre gekappt. Nachdem es jetzt wieder weiter südlich eine Verbindung von Tuticorin nach Colombo gibt, denkt man auch über die Wiedereinführung der Fähre zwischen Rameswaram und Talaimannar nach.

Abstecher nach Danushkodi

Mein Fahrer ist ganz aufgeregt. In Danushkodi war er noch nicht. Gestern haben wir zusammen den Ramanatha-Tempel besucht, er hat zu einem „powerful God“ gebetet. Wir verlassen die letzten Häuser Rameswarams Richtung Süden. Am Straßenrand liegen in Netzen gebündelt Berge von Plastikflaschen. Die kleine Stadt wird mit dem Müll der Pilger förmlich geflutet. Die Palmenhaine entlang der Straße weichen Dünen zu beiden Seiten, die Landzunge wird immer enger, bis es nach knapp 10 km nicht mehr weitergeht. Wir parken unser Auto zwischen Kleinbussen und Jeeps, hinter einer Strandschutzmauer.

Weiter geht es von hier nur mit Unimogs sowjetischer Bauart aus alten Armeebeständen. Sie sind nicht nur robust im brachigen Wasser der Priele, sondern haben auch genügend hohen Radstand dafür. Mein Fahrer findet eine Reisegruppe aus Kerala, die uns noch mit auf das gemietete Gefährt nimmt. Es ist die letzte Tour vor Sonnenuntergang.

Ich sitze hinten auf der Ladefläche, es geht unter Gejohle los, runter von der Straße an den Strand und dann im Konvoi mit zwei anderen Fahrzeugen in einer Cross Country Rally durch weichen Sand und flache Priele. Die Fahrer sind versiert. Nur nicht stehenbleiben, hoffe ich, denn das bedeutet „Steckenbleiben“. Nach gut 20 Minuten erreichen wir ein „Land’s End“. Palk Bay und Golf von Mannar treffen sich direkt vor uns, letzterer wird im Wind des Südwestmonuns  aufgewühlt, die Palk Bay hingegen ist ruhig. „Only 15 minutes“ rufen die Fahrer unserer Unimogs, da die Sonne schon schnell Richtung Horizont wandert. Es reicht für einen Spaziergang am schneeweißen Strand. Am Horizont über die Palk Strait hinweg ist als weißer Strich die Nordspitze der zu Sri Lanka gehörenden Insel Mannar zu erkennen. 

Auf der Rückfahrt – es ist schon dämmrig – machen wir noch an einer mit Büschen bewachsenen Düne Station, aus der die Mauern von Danushkodi ragen. Die Ruinen der Siedlung samt Bahnhof bilden im abnehmenden Licht eine gespenstische Szenerie.

Sethusamudram-Kanalprojekt

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Die Palk Strait ist eine sehr flache Wasserstraße, die nur von Fischkuttern befahren werden kann. Die  Frachtschifffahrt zwischen der südlichen Malabar- und der Coromandelküste muss den großen Umweg um Ceylon machen. Daher gab es schon frühzeitig Pläne, diesen Weg durch einen rund 160 km langen Kanal abzukürzen, 2005 gab die Zentralregierung dazu „grünes Licht“. Das Projekt wurde aber inzwischen vom Obersten Gerichtshof gestoppt, aus Umweltgründen, denn der Kanal zerstört das sensible maritime Ökosystem im flachen Wasser der beiden Golfs. Widerstand kommt aber auch von religiösen Eiferern, denen die Ram Sethu heilig ist. So sahen sich die Projektbefürworter gezwungen, wissenschaftlich nachzuweisen, dass die Inselbrücke geologischen Ursprungs ist und nicht von Menschen oder einer Gottheit geschaffen wurde.

Dennoch, keine Region der Erde hat eine solch „heilige Geographie“ wie Indien. Die Flüsse sind Gottheiten, ihre Quellen und ihre Mündungen heilige Orte, das Südkap (Kap Komorin) ist heilig, heilige Berge gibt es von Gujarat bis Karnataka. Die Krönung für alle Geographen ist der „Mother India“-Tempel in Varanasi: Dort wird ein fantastisches Marmorrelief des Subkontinents verehrt.

* Der Beitrag wurde zuerst im März 2013 veröffentlicht


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2 Gedanken zu “Rameswaram: Abenteuer auf der Adams-Brücke

  1. toll oder, dieser schmale link? Ganz besonders wenn sich mal so die Brücken-Probleme hierzulande vor Augen führt

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    1. Stellte mir vor, ich wäre in den 1940er Jahren per Bahn und Fähre von Madras nach Colombo unterwegs gewesen. Es gibt jetzt wieder Fähren zwischen Indien und Sri Lanka.

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