Morgens um 6, der Jetlag hatte mich früh geweckt. Was ist schöner, als den Sonnenaufgang über dem Golf von Bengalen an der Promenade zu genießen? Mein Hotel in der kolonialen White Town von Pondicherry war nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt. Aber von wegen Ruhe: Die Promenade ist für den Verkehr gesperrt und daher können die Leute sie zum Frühsport nutzen: Joggen, walken oder für Gymnastik. In Indien ein mehr als ungewöhnliches Bild. Aber alles an Pondicherry ist ungewöhnlich und macht es zu einem Juwel für Besucher und Bewohner.



Pondicherry wurde aus beruflichen Gründen zwischen 2013 und 2019 eine zweite Heimat – und sei es nur virtuell: Ich hatte eine „Standleitung“ aus dem Homeoffice nach Südindien. Morgens (bei uns) lagen schon die Ergebnisse von vier Stunden Arbeitstag auf dem Server. Aber mehrmals im Jahr bin ich nach Pondicherry gefahren, um Projekte vor Ort abzusprechen.
1954 fielen Pondicherry (heute Puducherry) und alle anderen französischen Besitzungen in Indien an die unabhängige Republik. Damit endete eine weitere Phase von Kolonialismus in Indien, aber erst mit dem Rückzug der Portugiesen 1962 aus Goa war Indien in Gänze „unabhängig.“

Weitere Fotos besser mit anderem Layout:
Pondicherry verfiel zunächst in einen Dornröschen-Schlaf. Als ich 1979 zuerst dort war, herrschte Armut und eine gewisse bauliche Morbidität. Heute ist die Stadt, südlich von Chennai gelegen, längst wieder erwacht und arbeitet stolz an der Wiederbelebung ihres französischen Erbes.
Bei einer geführten Begehung der Altstadt erklärt uns Ashok Panda die Veränderungen. Wir sitzen im Cafe des edlen Hotels „Palais de Mahe“ und blicken auf den Innenhof. Den nimmt fast vollständig ein Swimming Pool ein. Weiße Korbsessel, dazwischen große Töpfe mit tropischen Pflanzen, werden vom Säulengang beschattet, der den Innenhof umgibt. „Sieht historisch aus“, sagt Ashok, „ist aber auf alt gemacht“. Er muss es wissen, denn er arbeitet für den Pondicherry-Ableger von INTACH (Indian National Trust for Art and Heritage), einem Verein mit Vertretungen in allen großen Städten des Landes, der sich um die Bewahrung des historischen Baubestandes aus der Kolonialzeit kümmert. Das mag verwundern, hat sich Indien doch gerade über den Freiheitskampf gegen koloniale Unterdrückung definiert. Es zeigt aber, wie souverän das moderne (urbane) Indien heute mit seinem kolonialen Erbe umgehen kann.








Ashok hat uns durch die „White Town“ geführt, jenen einst durch einen Kanal von der „Black Town“ der Einheimischen getrennten Teil des heutigen Altstadt-Ovals. Hier finden sich viele aufwendig restaurierte Gebäude, heute meist Hotels, Restaurants, Boutiquen oder auch Maisons für Auslandsfranzosen, die den Charme der Stadt am Indischen Ozean wieder entdecken. Viele neureiche Inder folgen dem Beispiel und kaufen sich in die „White Town“ ein. INTACH kümmert sich um ein planerisches Gesamtkonzept, auch für den öffentlichen Raum, z.B. die Promenade oder den jetzt sehr gepflegten Bharati Park, sowie die vielen Verwaltungsgebäude. Hier bleibt noch einiges zu tun, weil das öffentliche Geld knapp ist. Aber alles sei besser als Abriss und Neubau in Beton, wie in Indien sonst üblich, meint Ashok. INTACH hat auch in der „Black Town“ modellhaft eine Straße im „tamilischen Stil“ restauriert, mit Geldern der EU. Visyal Street erhielt daraufhin einen UNESCO-Preis und ermutigte so zu weiterem Engagement zum Erhalt des „Urban Heritage“.
Das zahlt sich auch für den Tourismus aus: Pondicherry ist heute eine beliebte Destination für Reisende auf dem Südindien-Circuit. An Wochenende füllt sich die Stadt zudem mit Bangalorians, welche die kühlende Meeresbrise ebenso genießen wollen, wie den freizügigen Zugang zu „good drinks“ – auch das ganz in französischer Tradition. Abends kehren wir ein zu „Beer & Biriyani“.
Bei meinem ersten Besuch im September 1979 kaufte ich im Aurobindo-Ashram ein Seidentuch, mit einer Lotosblume bemalt. „Zur Erinnernung“, sagte ich der freundlichen Verkäuferin. Ich käme sicher nie wieder in dieses entlegene Städtchen zurück, meinte ich. Sie lächelte: „Man kommt immer wieder zurück nach Pondicherry!“ Ich ahnte nicht, wie recht sie hatte.
Weitere Informationen:
Webseite von INTACH Pondicherry
Karte der Altstadt von Pondicherry

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Toller Bilder … irgendwie ein bisschen „unindisch“ oder? 😉
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Grüße aus Prag!
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Absolut, plan einen Besuch. Es gibt einen Flug mit SpiceJet direkt nach Pondy von Bengaluru aus. Gute Zeit in Prag, tolle Stadt
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