Oklahoma: Killers of the Flower Moon

Oklahoma in den frühen 1920er Jahren: Auf dem Land der Osage-Indianer im Norden des Bundesstaates wird Öl gefunden. Es sprudelt geradezu aus der Prärie und macht die Osage zu den reichsten Menschen in Amerika. Das lockt Gesindel und Halunken an und endet in einer Tragödie für die Indianer: Dutzende von ihnen werden ermordet. Der neue Film von Martin Scorsese – ein über drei Stunden langes Epos – spielt in dieser von Rassismus und Habgier geprägten Zeit.

Cherokee-Indianer in den Appalachen (2007). Sie wurden nach Oklahoma zwangsumgesiedelt.

Killers of the Flower Moon ist ein beeindruckendes Werk, nicht nur wegen der schauspielerischen Leistung von Leonardo Di Caprio, Robert de Niro und Lily Gladstone. Er beschreibt beispielhaft das Schicksal der amerikanischen Ureinwohner – mitten im Turbokapitalismus der Zwischenkriegszeit.

Der Stamm der Osage-Indianer hatte Landrechte erworben und deren Nutzung von der Regierung in Washington vertraglich zugesichert bekommen. Dann wurden Ölvorkommen entdeckt. In einer Zeit, in der F. Scott Fitzgerald The Great Gatsby schrieb, spielte sich im Herzen der USA ein scham- und rücksichtsloses Streben nach Reichtum ab, in den Roaring Twenties ein Markenzeichen des Landes. Kein Wunder, dass es Neid auf den Geldsegen der Osage gab. Schnell wurden sie für geschäftsunfähig erklärt und erhielten weiße „Vormünder“ zur Seite. Rassismus in Reinform. Männer versuchten über Heirat mit Osage-Frauen zu Reichtum zu kommen. So auch der Protagonist des Films, Ernest Burkhard (gespielt von Di Caprio). Aber die Fäden zieht der Onkel (gespielt von De Niro). Hinter der Fassade des Philanthropisten und Gutmenschen tuen sich Abgründe auf. Es kommt zu „Unfällen“, Explosionen und unerklärlichen Todesfällen, meist sogar zu offenem Mord („Einen Indianer zu töten hat weniger Konsequenzen, als einen Hund zu erschießen“). Scorsese stellt die tragische Beziehung von Ernest zu Molly, einer Osage-Frau (gespielt von Lily Gladstone) in den Mittelpunkt der Handlung.

Mir kam nach dem Film ein Besuch auf Ölfeldern in Oklahoma in Erinnernung. Bei einer Konferenz im Oktober 2007 wurde eine Exkursion in die Arbuckle-Antiklinale angeboten. Das ist ein Bereich ölführender Schichten nördlich der kleinen Stadt Ardmore. Wir fuhren auf der I-35 in südlicher Richtung und bogen dann in eine weite Ebene ab, fehlte nur noch ein Tornado am Horizont.

Der Exkursionsleiter war Dozent an der Oklahoma State University, sein Bruder leitete eine Explorationsfirma. Während wir über Bohrtechniken informiert wurden und die tatsächlich beeindruckende Leistung der Arbeiter auf den Plattformen bewunderten, spielten Landrechtsfragen keine Rolle.

Dabei befanden wir uns in einem Reservat des Chickasaw-Stamms, der schon hundert Jahre früher nach Oklahoma zwangsumgesiedelt worden war: Auf dem „Pfad der Tränen“ (Trail of Tears) wurden ab den 1830er Jahren auch andere Stämme, z.B. aus Florida (Seminole) und den südlichen Appalachen (Cherokee) gezwungen, in den Süden Oklahomas zu wandern. Auf dem langen Zug in das Gebiet westlich des Mississippi kamen Tausende ums Leben.

In der Geschichtsschreibung der USA spielt das Schicksal der Ureinwohner keine Rolle. Es geht immer nur um neue frontiers auf dem Weg der sogenannten Pioniere nach Westen. The winner takes all und die Geschichte der loser bleibt unerzählt. Wohl deshalb fehlt uns das Gefühl für koloniale Ausbeutung, sei es in den USA oder in anderen Regionen des Globus, in den Rohstoffe lagern oder wachsen, ohne die unser Wohlstand nicht erreichbar geworden wäre. Aber die Ausbeutung und Unterdrückung ist nicht vergessen und das kommt dieser Tage im neuen Selbstbewusstsein von Völkern und Nationen zutage, die uns irritieren. Haben wir nicht die universellen Werte definiert? Es lohnt, mal innezuhalten.

Wacipi der Lakota-Indianer in Mankato (Minnesota, 2011)

Der Film endet mit einem Wacipi der Osage, einem Tanz, der den Opfern ihres Stammes gewidmet ist. Die Enkel der Tragödie von Oklahoma leben heute noch. Scorsese hat ihnen mit dem Film ein Denkmal gesetzt. Manchmal bewirkt ein Hollywood-Film mehr als jede Geschichtsstunde.

Nachtrag zum Thema: Von einem Blogger in Berlin erhielt ich folgenden Link Rede des Indianerhäuptlings Seattle vor dem US-Präsidenten im Jahr 1855

Es ist eindrucksvoll, wie die Indianer – hier im Nordwesten der USA – die Interessen der Weißen durchschauten. Und es ist deprimierend, wie sie erkannten, dass sie denen ausgeliefert sind. Nach dem Häuptling wurde die Großstadt im Bundesstaat Washington benannt.


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Ein Gedanke zu “Oklahoma: Killers of the Flower Moon

  1. Habe nur das Plakat an einer Litfaßsäule gesehen, mir fehlte der Hintergrund zum Film. Nun werde ich mir den natürlich geben. Danke

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